Ein Urlaub am Rande des Abgrunds – Teil 1

Nachdem wir bereits zweieinhalb Monate von unserer Weltreise zurück waren, dachten wir, es sei an der Zeit, mal wieder länger radeln zu gehen. Da ich mittlerweile neun Stunden die Woche arbeite und das Unternehmen im August drei Wochen Betriebsferien machte, war August zwar kein idealer Zeitpunkt für uns, da dann halb Europa im Urlaub ist, aber wir hatten ja keine Wahl. Also ging’s am 2. August los.

1. Tag – 80km bis Tuttlingen: Eigentlich wollten wir früh starten, immerhin hatten wir fast alles am Abend zuvor gepackt. Aber wie immer am ersten Tag, kamen wir erst um 11 Uhr los. Unser grober Plan war in Richtung Süden zu radeln, durch die Schweiz und über die französischen Meeralpen nach Südfrankreich und danach an die Riviera nach Italien. Aber wie immer kam alles anders…

An diesem Tag fing es bereits nach 8km an zu regnen. Zum Glück machten wir gerade Essenseinkäufe und als wir wieder aus dem Supermarkt rauskamen, war der schlimmste Regen vorbei. Einen Großteil der Strecke radelten wir am Neckar entlang, meist auf kleinen Radwegen durch Wälder, Felder und Wiesen. Die Landschaft war super schön. An diesem Tag schafften wir es bis Tuttlingen an der Donau und zelteten auf einem kleinen Zeltplatz, der ausschließlich Radfahrern vorbehalten war. An diesem Abend waren hier fast ausschließlich Franzosen, die wohl auf dem weitbekannten Donauradweg tourten. Dieser Radweg scheint sehr beliebt zu sein, zumindest was die Anzahl unfitter Radfahrer jeden Alters angeht. An diesem Abend schafften wir es gerade rechtzeitig ins Bett, bevor der große Regen anfing!

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Old town of Rottweil

Altstadt Rottweil

2. Tag – 65km bis Kreuzlingen (CH): Erst um 7:30h hörte es auf zu regnen und wir packten so schnell wir konnten. Trotzdem kamen wir erst um 9:45h los, ein ausgiebiges Frühstück ist uns zu wichtig! Die Strecke war landschaftlich super schön, vor allem, nachdem wir den ca. 3km langen und sehr steilen Berg erklommen hatten. Von dort oben konnten wir einen ersten Blick auf den Bodensee erhaschen, der von sanften Hügeln umgeben und mit Nebelschwaden überzogen in der Ferne lag. Ab da ging’s dann sehr lange nur bergab durch romantische Täler und immer wieder mit Blick auf den Bodensee. Mittags war es wieder schön und wir trockneten unser Zelt auf einem Spielplatz in der Sonne, schwammen im Bodensee, aßen Eis in Konstanz im Regen und stellten schließlich unser Zelt bei strömendem Regen auf einem sauteuren und total überfüllten Campingplatz in der Schweiz auf. Wenigstens gab es dort überdachte Kochstellen.

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The far too busy campsite

Auf dem überfüllten Campingplatz

3. Tag – 67km nach Kriessern am Rhein: Herrliches Sonnenwetter am nächsten Morgen und Radeln entlang des Südufers vom Bodensee. Millionen andere Radler hatten dieselbe Idee. Trotzdem genossen wir das schöne Wetter, die tolle Landschaft mit dem See zur Linken und schneebedeckten Berggipfeln zu unserer Rechten. Das Radeln war den ganzen Tag ein Spaziergang. Als wir abends auf einem Campingplatz eincheckten und nach dem Preis fragten, wurde dieser uns mit 22CHF benannt. Das ist aber billig, dachten wir so bei uns, bis es dann ans Bezahlen ging. Das Zelt kostete nämlich nochmals 8 CHF extra. Verärgert sparten wir uns den zusätzlichen Franken für eine warme Dusche und duschten eiskalt, es war sowieso noch sehr warm. Nach dem Abendessen regnete es dann wieder!

Scenic lunch break

Idyllische Mittagspause

Easy Rhine cycling

Leichte Spazierfahrt entlang des Rheins

4. Tag – 81km nach Weesen: Starker Regen am Morgen, also warteten wir, bis das Schlimmste vorbei war. Es ging zunächst wieder am Rhein entlang und gegen Mittag schien die Sonne wieder, der Himmel riss auf, das Gras sah jetzt noch grüner aus und die Landschaft mit den bizarren Wolken noch schöner. Am Walensee mussten wir einen kurzen aber sehr steilen Berg erklimmen, Johan stritt sich mit einem Mopedfahrer, der auf einem kleinen Weg partout nicht auf die Seite fahren wollte. Amüsiert verfolgte ich das Treiben vor mir mit Johan, der klingelte und schrie und immer wütender wurde und einem anscheinend tauben Mopedfahrer. Wir zelteten am anderen Ende des Sees auf einem kleinen Waldcampingplatz, wo es vor Moskitos nur so wimmelte. Heute fing der Regen erst gegen Mitternacht an. Gut, dass unsere Wäsche noch draußen hing. Wir hätten es mittlerweile eigentlich besser wissen müssen!

More Rhine cycling

Noch mehr Rheinradeln

Beautiful sky

Tolle Wolkenformationen

A picturesque village

Ein schönes Schweizer Dorf

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At the Walensee

Am Walensee

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Switzerland at its best

Die Schweiz von ihrer besten Seite

5. Tag – 88km nach Flüelen: Die ganze Nacht Regen, am Morgen Sonnenschein, was will man mehr. Da wir heute den Klausenpass überqueren wollten, packten wir alles nass ein und fuhren kurz nach 8 Uhr los. 34km ging es erst Mal auf Radwegen durch ein immer enger werdendes Tal aufwärts. Ein Paar Schäfchenwolken hingen zwischen den Bergen, der Tag war perfekt für einen langen Anstieg. Die Luft war klar und frisch, alles was wir hörten waren Kuhglocken, Motorradfahrer in der Ferne und ab und zu einen bellenden Hund. Als es dann ans richtige Bergauffahren ging, mussten wir auf die Hauptstraße wechseln. Der Verkehr war aber erträglich bis auf ein Paar Motorradfahrer, die es lustig fanden uns mit 100km/h und nur wenigen Zentimetern Abstand zu überholen. Nach ungefähr zwei Stunden und 13km erreichten wir ein Plateau, eine willkommene Ruhepause für unsere Beine auf mehr als 1,000m Seehöhe. Die letzten 8km waren dann supersteil und ich konnte kaum schneller als 5 km/h fahren. An manchen Stellen war die Strecke etwas furchteinflößend, zur Rechten ging es Hunderte von Metern steil nach unten. Nur ein sehr niedriges Geländer trennten Rudi, das Rad, vom Abgrund. Je höher wir kamen, desto schlechter wurde das Wetter und als wir endlich glücklich auf 1.952m Höhe angekommen waren, standen wir komplett in den Wolken. Jetzt freuten wir uns auf eine lange Abfahrt, die sich als Ente erwies, da wir noch zweimal bergauf fahren mussten. Als wir dann endlich ankamen, gönnten wir uns einen riesigen Döner, stellten unser Zelt am Vierwaldstätter See auf und gingen erschöpft ins Bett.

The beginning of the valley

Am Anfang des Tales

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Here is where the real pain began

Kurz vor dem richtigen Anstieg

The plateau

Das Plateau

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Still way to go...

Noch immer nicht oben…

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Hooray, we made it!

Hurra, geschafft!

Cold downhill

Kalte Abfahrt

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The Vierwaldstätter See

Der Vierwaldstätter See

6. – 53km nach Giswil: Obwohl das Wetter schön war, gingen wir den Tag langsam an, der Pass war noch deutlich in unseren Beinen zu spüren. Wir fuhren zunächst für ca. 10km auf einem Radweg am See entlang. Hier gab es sogar Radtunnels, die einzigen Tunnels, die wir mögen, bis wir ein Schild erreichten, das uns vor den folgenden Kilometern warnte, da der Radweg nun aufhörte. Da sehr viel Verkehr war nahmen wir den Zug ins nächste Dorf und radelten dann weiter zur Fähre über den See. Leider kamen wir 10 Minuten zu spät an und durften eineinhalb Stunden auf die nächste Fähre warten. Das Wetter war perfekt und wir genossen eine ausgedehnte Mittagspause. Als wir endlich auf der anderen Seite des Sees ankamen, wurde das Wetter wieder schlechter und bald radelten wir wieder im Regen. Innerhalb kürzester Zeit schüttete es wie aus Kübeln und auf dem Campingplatz entschieden wir uns für ein kleines Zimmer anstelle zu zelten. Das war allerdings eine schlechte Entscheidung, da es kurz darauf aufhörte zu regnen und es die ganze Nacht trocken blieb. Grrrrrrr!

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Waiting for the ferry

Wir warten auf die Fähre

Another picturesque village

Ein weiteres schönes Dorf

7. Tag – 82km nach Gwatt: Super schlecht geschlafen, unsere Nachbarin war von Albträumen geplagt und schrie mitten in der Nacht. Landschaftlich war die heutige Route sehr reizvoll, allerdings mussten wir sehr viele sehr steile Berge überwinden. Es begann mit einem 12%-Berg für ganze 2km und ging weiter mit vielen einfacheren Steigungen. Dann kam der Brünigpass, der leider viel zu stark befahren war, es fuhren Bus an Bus an Auto an uns vorbei, einfach nur gruselig. Wir waren froh, als wir endlich oben waren und entschieden uns für einen Umweg, um den Verkehr zu umgehen. Was wir nicht wirklich verstanden, war, dass der nationale Radweg über diesen Pass führt, wir fanden ihn viel zu gefährlich, da es weder Randstreifen noch ausreichend Platz für Radler und die vielen Autos, LKWs und Busse gab.

Heute passierten wir viele Hotels die ‘Free accommodation’ anboten. Sie meinten natürlich ‘Zimmer frei’, haben aber ‘Kostenlose Zimmer’ angeboten. Wir widerstanden der Versuchung, das Angebot anzunehmen, da wir doch lieber zelteten. Die Schweizer haben auch für uns Deutsche sehr lustig klingende Namen: Da gibt es die Fußpflege Zwicky, Märchy, Stöckli Metall AG, Garage Wursteisen, Tschudi Holz AG, um nur einige zu nennen. Eigentlich ist Schweizerdeutsch garnicht so schwer, man muss einfach ein ‘li’ an die Hauptwörter hängen und schon spricht man Schwizerdütsch. Na ja, ein Paar mehr Unterschiede gibt es schon, ich finde jedenfalls, dass die Sprache sehr schön klingt.

Auf unserer Route kamen wir auch durch Interlaken, das zwischen zwei Seen liegt und einen fantastischen Blick auf die Jungfrau bietet. Leider ist das weithin bekannt und die Stadt war voll mit Touristen aus der ganzen Welt, vor allem aus dem Nahen Osten und Asien. Daher radelten wir ein bisschen schneller durch die wunderschöne Stadt und bewunderten die Jungfrau in Wolken. Wir zelteten auf dem bisher teuersten und leider auch sehr schäbigen Campingplatz und als es Bettzeit war zog ein schweres Gewitter auf und Sturm und Regen tobten die ganze Nacht. Jetzt war es Zeit zu entscheiden, was wir bei diesem Regenwetter machen sollten!

Another sunny morning

Sonne am Morgen

Steep hills

Steile Berge

Beautiful scenery

Bezaubernde Landschaften

Wooden houses with yummy tomatoes

Holzhäuser und leckere Tomaten

More picturesque villages

Noch bezauberndere Dörfer

Glaciers

Gletscher

Fantastic downhills

Unglaubliche Abfahrten

Tourists

Touristen

Vomiting cyclists

Warnung vor kotzenden Radlern

Dangerous rail tracks

Warnung vor gefährlichen Gleisen

Another lake

Und noch ein See

Another lovely village

Und noch ein Dorf

And another overpriced campsite

Und noch ein überteuerter Campingplatz

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