In 20 Monaten und 26.000km einmal um die halbe Welt

15. April – 19. Mai, 2014 – Es war eine lange und mühsame Rückreise nach Europa: 3,5 Stunden dauerte der Flug von Auckland nach Sydney, neun Stunden nach Hong Kong und weitere 12 Stunden nach London. Insgesamt waren wir 36 Stunden unterwegs ohne zu schlafen. Wir kamen völlig fertig an. Zum Glück kamen auch unser Gepäck und unsere Räder unversehrt an und wir verbrachten den Vormittag damit, die Räder wieder zusammen zu schrauben. Als wir dann endlich fertig waren, hatten wir wieder Hunger und nach dem Mittagessen waren wir dann endlich soweit, um in die Stadt zu fahren. Doch leider hatte Johans Rad einen Platten und das Rad musste wieder abgeladen werden. Aber da wir ausreichend Zeit hatten – unser Gastgeber war erst am frühen Abend zuhause – war das nicht ganz so schlimm. Nach London radeln war ganz OK, da es viele Radwege gibt und wir ja bereits daran gewöhnt waren, auf der falschen Seite der Straße zu fahren.

Getting ready for some sleep

Ich kann jetzt schlafen!

At London Heathrow

Am Flughafen London Heathrow

Wir blieben zwei Nächte in Richmond, wir hatten dringend ein bisschen Schlaf nötig bevor wir uns wieder auf die Sättel schwingen konnten. Und wir hatten Glück, das Wetter war super, die Gegend wunderschön und Rick sehr entspannt. Am nächsten Morgen fuhr Rick mit uns und seinem Liegerad in die Stadt. Das war ein Riesenspaß, wir sind an allen Sehenswürdigkeiten vorbeigekommen, tranken eine letzte Tasse Kaffee mit Rick bevor er weiter zur Arbeit fuhr und wir den Zug nach Chatham nahmen. Wir hatten nämlich keine Lust durch langweilige Vorstädte zu radeln. Leider war Chatham auch fürchterlich, eine ziemlich deprimierende Kleinstadt. Wir machten uns dort dann auf die Suche nach einem Campingplatz und wurden den Berg hoch geschickt. Leider stellte sich dann heraus, dass der ehemalige Campingplatz heute nur noch als Stellplatz für Wohnwagen diente und der Besitzer wollte uns partout nicht auf den Platz lassen. Glück im Unglück – nebenan war ein erschwingliches Holiday Inn und wir konnten in einem sauberen Hotel mit Frühstücksbuffet übernachten. Ich glaube, hier hat der Hotelbesitzer zum ersten Mal draufgelegt, da wir mit unserem wie immer Riesenhunger das Buffet fast leergeräumt haben.

While waiting for our host at a pub next to the Thames we got surprised by high tide!

Während wir in einer Kneipe auf unseren Gastgeber warteten, wurde die Straße plötzlich überflutet – Flut an der Thames, so etwas hatten wir noch nicht erlebt.

Salute DSCF0538

With Rick

Mit Rick

The Queen's guards at their morning exercise

Die Garde der Königin

London bridge

London Brücke

Kurz nach Chatham haben wir dann einen schönen Radweg gefunden, der uns nach Dover bringen sollte. Von dort wollten wir dann die Fähre nach Calais nehmen. Wir hatten immer noch Glück mit dem Wetter, es war zwar sehr kalt und windig, aber dafür sehr sonnig. Abends wurde es allerdings super kalt und der Wind blies die meiste Zeit auch gegen uns, anstatt uns mit sich zu tragen. Aber so ist das eben auf dem Rad. Zelten war auch ziemlich hart, da wir noch an die Luxusplätze mit beheizten Küchen und TV Lounges in Ozeanien gewohnt waren. Dort war das Wetter so ziemlich egal, solange wir das Zelt noch im Trockenen aufstellen konnten. Zurück in Europa gab es noch nicht einmal eine Abdeckung, unter der wir bei Wind und Regen hätten kochen können. Leider können wir in unserem Zelt nicht kochen und daher blieb die Küche öfters kalt oder wir sind essen gegangen. Irgendwie ist zelten hier wie wild campen, der einzige Unterschied sind teure Duschen, die auch noch extra kosten, wenn sie warm sein sollen.

In England ist uns dann wieder aufgefallen, was wir in den letzten Monaten doch sehr vermisst haben: richtig alte Häuser und Gebäude. Wir radelten durch schöne, grüne und hügelige Landschaften, die von malerischen Dörfern umgeben waren. In Stodmarsh, einem dieser Dörfer, gönnten wir uns ein schönes Zimmer in einer Frühstückspension, obwohl wir hier schon kurz nach dem Mittagessen ankamen. Aber wir konnten nicht widerstehen. Es war doch schon sehr lange her, dass wir in einem richtig schönen Hotel übernachtet hatten. Und nicht nur unser Zimmer war toll, auch das Essen haben wir in vollen Zügen genossen.

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We had to squeeze through a myriad of fences on English bike paths. Sometimes we even had to carry our bikes over the barriers. Long distance bike path planners don't seem to expect cyclists with luggage.

Hier fragt man sich doch wirklich, wer diese Langstrecken-Radwege geplant hat. Wir mussten Hunderte dieser Barrieren überwinden, manchmal blieb uns sogar nichts anderes übrig, als die Räder über die Zäune zu heben!

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Resting at the backyard of our B&B

Mittagspause im Garten unserer kleine Pension

FedEx seems to be everywhere in England, even in the middle of nowhere

FedEx scheint überall in England unterwegs zu sein, auch da, wo es sonst nicht viel gibt.

Close to Dover

Kurz vor Dover

Waiting for the ferry

Wir warten auf die Fähre

Am nächsten Tag kamen wir der Heimat wieder ein Stückchen näher, wir waren auf dem europäischen Festland. Zurück in Frankreich und Belgien merkten wir, was wir in Ozeanien noch vermisst haben: ruhige Straßen und fahrradfreundliche Autofahrer, die bei Gegenverkehr brav hinter uns warteten. Die Kehrseite der Medaille waren allerdings dreckige Campingplätze und unfreundliche Besitzer. Man kann nicht alles haben!

Nach schon 1,5 Tagen waren wir dann wieder in den Niederlanden. Wir befanden uns nun auf dem Weg nach Den Haag, zu Johans Schwester. Zurück auf dem Festland hatten wir jeden Tag Regen, zelteten aber dennoch jeden Tag, da wir nicht so viel Geld ausgeben wollten. In Den Haag haben uns Johan’s Schwester und ihr Freund Joost ein ganzes Wochenende verwöhnt und bespaßt. Das war schön. Vielen Dank! Danach ging’s dann weiter in Richtung Norden zu Johans Eltern. Auch hier war die Wiedersehensfreude groß!

Country #22: Belgium

Land #22: Belgien

 

The Belgian coast: awful architecture to the right...

Die belgische Küste: fürchterliche Architektur zur Rechten,…

…some old buildings squeezed in between...

…ein Paar alte Gebäude dazwischen….

…and fun art and ocean to the left...

…und lustige Kunst sowie das Meer zur Linken…

…and the front.

…und vor uns.

In den Niederlanden:

Morning fog

Nebel am Morgen

The famous Delta works

Die berühmten holländischen Delta Werke,…

…the famous Dutch windmills….

…die berühmten holländischen Windmühlen….

…and even more famous blue tiles from Delft.

…und die noch berühmteren blauen Fliesen von Delft.

With Anneke and Joost

Familien-Wiedersehen #1: Mit Anneke und Joost

Even ferries require muscle work

Auch auf den Fähren geht ohne Muskeleinsatz gar nichts

Oooops, did I shrink overnight?

Oh, bin ich heute Nacht vor lauter Regen eingelaufen?

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Back to the roots

Zuhause!

Johan and his parents, flying the Dutch flag ;-)

Familien-Wiedersehen #2: Johan mit seinen Eltern, die die holländische Flagge gehisst haben😉

Und danach ging es dann endgültig in Richtung Heimat und wir radelten den letzten Teil unserer großen Reise nach Süden gen Empfingen. In Deutschland radelten wir bis Mannheim am Rhein entlang und von dort bis Stuttgart am Neckar. Auf dem Weg trafen wir uns noch mit Freunden und unserem Sponsor Idworx, wo unsere Räder gleich nochmals generalüberholt wurden. Herzlichen Dank an Gerrit Gaastra dafür! Die Strecke am Rhein entlang war OK, aber für uns doch ziemlich langweilig. Wir haben sie irgendwann die Rentnerautobahn genannt, da wir den Altersdurchschnitt auf diesen Radwegen deutlich senkten. Der Neckar war dann schon deutlich besser, da die Landschaft hier noch viel ursprünglicher ist, weniger Touristen unterwegs waren und uns auch die Dörfer viel besser gefielen.

Some Dutch art

Niederländische Kunst

Last day in the Netherlands

Unser letzter Tag in den Niederlanden

Deutschland:

Hooray, we're in Germany again!

Hurra, wir sind wieder in Deutschland!

My new friend

Mein neuer Freund, aber so richtig begeistert sind wir beide nicht😉

Somewhere along the Rhine

Irgendwo am Rhein

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What a great idea - vending machine for bike tires

Super Idee – Fahrradschläuche aus dem Automaten

More Rhine cycling

Noch mehr Rhein

An Australian/Kiwi couple we met along the Rhine

Ein australisch/neuseeländisches Paar, das wir am Rhein getroffen haben

Cycling into Cologne

Auf dem Weg nach Köln

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The grandiose Cologne cathedral

Der grandiose Kölner Dom

With our dear friends Anja and Volker

Freunde-Wiedersehen #1: Unsere lieben Freunde Anja und Volker

With Gerrit Gaastra, who is producing our wonderful Idworx bikes

Mit Gerrit Gaastra, der unsere wunderbaren und heißgeliebten Räder herstellt

The holy Johan? Wishful thinking ;-)

Der heilige Johan, wer’s glaubt, wird selig!

Our new car?

Unser neues Auto?

In Eltville

In Eltville

Celebrating my birthday with dear friends

Freunde-Wiedersehen #2: Geburtstagsparty mit lieben Freunden

Kiwis in Germany

Kiwis in Deutschland

Typical architecture along the Rhine

Typische Rheinarchitektur

Camping at the Neckar

Zelten am Neckar

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Last stop Stuttgart - with my cousin Petra and Ramon

Familien-Wiedersehen #3: Letzter Halt in Stuttgart bei meiner Cousine Petra und ihrem Mann Ramon

Coming home: welcome by my brother Alex, his girlfriend Tina and their daughter Selma

Familien-Wiedersehen #4: Zuhause hießen uns mein Bruder Alex, seine Freundin Tina und meine kleine Nichte Selma herzlich willkommen.

Final welcome of the day with my parents and my brother's little ones

Familien-Wiedersehen #5: Finales Willkommen bei meinen Eltern sowie mit Selma und Lenny

Was uns nach unserer Rückkehr besonders aufgefallen ist: nichts oder nicht vieles hat sich in den letzten 20 Monaten verändert. Überall in Europa.  Für uns fühlte sich die Rückkehr fast so an, als wären wir nur ein Paar Wochen weg gewesen. In London rennen nach wie vor dunkel beanzugte Männer und Frauen mit ihren Smartphones und grimmigen Gesichtern geschäftig durch die Straßen; in Belgien wird Cappuccino noch immer mit Schlagsahne serviert, in Holland radelt jeder und die vielen Radwege sind ein Traum. Und in Deutschland hält man sich an die Vorschriften. In Wesel fuhren wir mit dem Rad durch die leere Fußgängerzone und wurden andauernd angesprochen, dass das nicht erlaubt sei. Irgendwann machte Johan sich den Spaß und fragte nach, was denn das Problem sei. Und interessanterweise nicht, dass wir irgendjemanden gefährdeten oder störten, im Gegenteil. Die Menschen wollten uns nur darauf aufmerksam machen, dass hier die Polizei dauernd Strafzettel an Radfahrer verteilt. 20 EUR waren uns dann doch zu teuer und wir sind brav abgestiegen. Aber am meisten hat uns gefreut, dass sich unsere Familien und Freunde auch nicht verändert hatten und es sich auch hier fast so anfühlte, als hätten wir uns erst vor kurzem gesehen.

Nachdem wir nun schon eine Weile in unserem temporären Zuhause sind – dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin – hatten wir ein wenig Zeit, über unsere Reise nachzudenken. Wir können uns noch immer nicht vorstellen, dass wir wieder zurück sind, alles fühlt sich noch sehr unwirklich an. Aber eines wissen wir: wir hatten die beste Zeit unseres Lebens, wir haben tolle Menschen getroffen, neue Freunde gewonnen, haben unglaubliche Landschaften gesehen, sind viele Berge hoch geschwitzt, haben mehr als einmal geflucht und mussten uns mehr als einmal daran erinnern, dass wir diese Art zu reisen selbst gewählt haben. Wir haben die ein oder andere Träne vergossen, gemeinsam gelacht und gestritten. Wir  sind unendlich dankbar für all die Erfahrungen, die wir gemacht haben und all die lieben Menschen, die wir getroffen haben. Ganz besonders dankbar sind wir, dass wir sicher und unversehrt wieder zuhause angekommen sind. Auch wenn ich mich wiederhole, für uns war diese Reise und vor allem diese Art zu reisen genau das Richtige, wir bedauern nichts, da wir viel gelernt haben, vor allem von den Ärmsten und wir sind reicher denn je. Das Leben ist eine lange Reise, das Leben ist schön, das sollten wir niemals vergessen.

619 Tage reisen sind nun vorbei. Wir sind fast 26.000km auf drei Kontinenten durch 23 Länder geradelt und haben 142 Blogs geschrieben. Viele Menschen haben unsere Reise verfolgt und wir hoffen, dass wir einige davon inspirieren konnten. Heute möchten wir uns bei euch allen für eure Treue und dafür bedanken, dass ihr durch eure unterstützenden Kommentare Teil unserer Reise geworden seid. Dieser Lebensabschnitt ist nun vorbei und ein neuer beginnt. Unser Blog wird weiterleben, da wir auch künftig weiterradeln. Wir werden monatliche Updates zu den unterschiedlichsten Themen veröffentlichen. Wir hoffen, ihr bleibt dabei!

Herzlichen Dank, ihr wart ein tolles Publikum!

Geradelte Kilometer

15. April, London Heathrow – Richmond, 20km
16. April, Richmond, rest day
17. April, Richmond – Chatham, 37km
18. April, Chatham – Whinstable, 70km
19. April, Whinstable – Stodmarsh, 24km
20. April, Stodmarsh – Oye Plage (F), 68km
21. April, Oye-Plage – Middelkerke (B), 78km
22. April, Middelkerke – Dishoek (NL), 90km
23. April, Dishoek – Ellemeet, 60km
24. April, Ellemeet – Brielle, 48km
25. April, Brielle – The Hague, 43km
26./27. April, Den Haag, rest days
28. April, Den Haag – Eeemdijk, 106km
29. April, Eemdijk – Meppel, 105km
30. April – 2. Mai, Meppel, rest days
3. Mai, Meppel – Vorden, 98km
4. Mai, Vorden – Wesel (D), 84km
5. Mai, Wesel – Meerbusch, 85km
6. Mai, Meerbusch – Köln, 69km
7. Mai, Köln – Lohmar, 28km
8. Mai, Lohmar – Wachtberg – Mehlem, 51km
9. Mai, Mehlem – Wachtberg – Kesselheim, 71km
10. Mai, Kesselheim – Bacharach, 58km
11. Mai, Bacharach – Bodenheim, 67km
12. -14. May, Bodenheim, rest days
15. Mai, Bodenheim – Heidelberg, 103km
16. Mai, Heidelberg – Neckarsulm, 87km
17. Mai, Neckarsulm – Stuttgart, 103km
18. Mai, Stuttgart, rest day
19. Mai, Stuttgart – Empfingen, 85km

Gesamtdistanz: 25.954km, davon 1,739km in Europa (England, Frankreich, Niederlande, Deutschland)

One thought on “In 20 Monaten und 26.000km einmal um die halbe Welt

  1. I love getting your posts but am not getting the English versions anymore and unfortunately cannot read the version I am receiving.

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    >

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