Australien – Gute Seiten, schlechte Seiten

Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich diesen Blog überhaupt schreiben soll, da wir so wenig Zeit in einem so großen Land verbracht haben. Aber dann dachte ich, dass es für unsere Leser vielleicht doch interessant ist, wie wir Australien erlebt und empfunden haben. Und am Ende spiegelt dieser Blog ja sowieso unsere persönliche Meinung und Erfahrung  wider, ist also niemals objektiv.

Insgesamt waren wir etwas mehr als zwei Monate auf diesem Kontinent, dreieinhalb Wochen in Tasmanien und den Rest in Victoria. Wir sind 2.432km geradelt und haben ein Paar Wochen zum Ausruhen und Planen bei lieben Australiern verbracht.

1 – Das Essen
Lässt sich schwer beurteilen, da wir fast ausschließlich selbst gekocht haben. Wir haben Tim Tam kennen gelernt, einen leckeren und typisch australischen Schokokeks. Außerdem gibt es viel Fast Food: Frittierten Fisch mit Pommes, KFC, McDonalds und wie sie alle heißen. Resultat ist, dass erschreckend viele Australier auf dem Land fett sind, aber so richtig fett, nicht nur etwas übergewichtig. Wenn wir bei Australiern übernachteten, gab es in der Regel immer sehr leckeres und sehr gesundes Essen, aber wahrscheinlich haben wir auch nicht beim Durchschnitts-Australier übernachtet. Ach ja, fast alle, bei denen wir übernachtet haben, haben ihr eigenes Brot gebacken, Joghurt selber gemacht und eigenes Gemüse in den Gärten gezogen.

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2 – Die Menschen
Wir waren doch sehr enttäuscht. Plötzlich hieß uns niemand mehr willkommen, geschweige denn sah uns. Nach einem Jahr in Asien hatten wir uns doch sehr daran gewöhnt, dass uns jeder grüßte, mit uns sprechen oder sogar Fotos von uns machen wollte. Jetzt grüßen uns nicht einmal mehr andere Radfahrer. Wir sind zurück in der westlichen Welt. Am Anfang haben wir noch jeden Radfahrer gegrüßt und sogar angehalten, wenn wir andere Tourer gesehen haben. Aber das wurde uns schnell zu peinlich, da wirklich niemand auch nur mit der Wimper zuckte, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, ohne uns eines auch nur kleinen Blickes zu würdigen. Das heißt allerdings nicht, dass wir so gar kein Interesse auf uns zogen. Im Gegenteil. Die älter Generation, und damit meine ich die Altersklasse so ab 80, hat uns immer angesprochen und hunderte Fragen gestellt. Wir haben auch sehr viele nette Menschen getroffen, die uns ungefragt geholfen haben, aber dann auch wieder welche, die uns unsere Wasserflaschen nicht mit Leitungswasser auffüllen wollten, obwohl wir im Lokal gegessen und getrunken hatten. Ach ja, dann noch all die Tätowierungen. Wir kamen uns ziemlich nackt vor, so ganz ohne. Und wie Johan immer so schön sagte, die sehen hier alle ein bisschen aus wie CC Top Bandmitglieder, getoppt nur durch zahnloses Lächeln von Menschen in unserem Alter!

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3 – Landschaften
Wir haben wohl die richtigen Staaten zum Reisen ausgesucht. Trotz der Wettereskapaden war die Landschaft traumhaft schön und oft atemberaubend. Auf unserer Reise durch das Innland bekamen wir ein bisschen ein Gefühl für die endlose Weite und Größe des Landes. Aber irgendwie müssen wir auch nicht mehr unbedingt hierher zurück. Wir haben so das Gefühl, dass wir das Beste schon gesehen haben.

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4 – Die Architektur
Alte Holzhäuser mit Eisenverzierungen, Verandas und wilde Gärten, die waren wirklich schön. Melbourne hat uns super gefallen, eine tolle Kombination alter und moderner Architektur mit viel Grün dazwischen. Viele Städte auf dem Land sahen dagegen aus, als wären sie längst vergessen und die Menschen, die dort noch wohnen Statisten für einen Western.

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5 – Der Umweltschutz
Nach Asien waren wir natürlich begeistert, wie sauber plötzlich alles war und dass hier überall recycelt wird. Und jeder hielt sich an die Vorschriften. Jetzt hieß es wieder Joghurtbecher und Plastiktüten waschen und sich an ein so ganz anderes System zu gewöhnen. Trotzdem ist Australien ein Land für Autofahrer. Benzin ist billig, Straßen sind für Autos gebaut und der öffentliche Transport scheint nicht so ausgeprägt zu sein. Außerhalb von Großstädten sieht man daher auch sehr wenig Radfahrer, geschweige denn Fußgänger, alles wird per Auto erledigt.

6 – Die Kaffeekultur
Endlich gab es ihn wieder. Leckeren Kaffee auch in der kleinsten Provinzstadt. Wir waren wieder im Kaffeehimmel, mit Cappuccinos, die auch wirklich so schmeckten und einer Auswahl an Vollmilch, fettarmer Milch, Sahne oder Sojamilch, Schokolade oder Zimt, einfachem oder doppeltem Espresso, mit und ohne Geschmäcker, klein, mittel oder groß… Wo wir doch nur einen stinknormalen Cappuccino wollten!

7 – Die Infrastruktur
Straßen sind für Autos da und nur manchmal auch für Radler. Hier wird schnell gefahren, immer, denn die Straßen sind lang und gerade. Und wenn dann mal eine Kurve kommt, warnt ein Riesenschild. Wenn ein Radfahrer auf der Straße fährt, wird ein bisschen nach rechts ausgewichen, aber ja nicht zu viel, man fährt hier schließlich geradeaus! Manchmal dachten wir, die Autofahrer fahren absichtlich so dicht an uns vorbei, nur um zu zeigen, wie toll sie das können. Fanden wir nicht wirklich lustig. Und die Aussies lieben ihre Autos, die fantastisch lackiert sind, getuned mit Riesenspoilern, mindestens zwei Auspuffen und superlaut. Selbst poplige Opel Corsas sind aufgemotzt, da konnten wir nur drüber lächeln.

Internetverbindungen waren teuer und nur selten zu bekommen. Am besten ging das noch in Büchereien. Die so gepreiste weltweite WiFi-Bereitstellung in allen McDonalds Restaurants hat sich auch als Farce herausgestellt, da die Verbindung so schlecht war, dass wir teilweise nicht einmal unsere Emails runterladen konnten.

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