Abenteuer Tasmanien – Die Westküste

5. – 15. Dezember 2013 – Während wir mal wieder unsere sieben Sachen in Hobart zusammen packten und die Sonne das Haus durchflutete freuten wir uns auf einen schönen Radeltag bei schönem Wetter. Zur gleichen Zeit teilte uns Greg, unser Gastgeber mit, dass für heute Regen und in den Bergen sogar Schnee erwartet wird. Ungläubig schüttelten wir unsere Köpfe. ‘Der will uns wohl verarschen’, dachten wir uns. Wollte er nicht. Wir hatten die Stadt kaum hinter uns gelassen, da fing es auch schon an zu stürmen und kurz darauf zu regnen. Also wieder Regenanzüge an und durch! Den Rest des Tages radelten wir auf kleinen kurvigen Straßen im Regen an einem Fluß entlang. Nass und müde kamen wir im Mount Field Nationalpark an, stellten unser Zelt im Regen auf, kochten und gingen nach einer heißen Dusche früh zu Bett. Mitten in der Nacht wurde ich durch eigenartige Geräusche wach. Johan machte komische ‘ksch, ksch’ Geräusche, gefolgt durch Bellen, wildem Gestikulieren und Schlägen gegen das Zelt. Ein Opossum saß doch tatsächlich auf unserer Essenstasche zwischen Außen-und Innenzelt und versuchte, unser Essen zu stehlen. Dieses Viech hatte keinerlei Angst und erst, als Johan es mit einem kräftigen Tritt von der Tasche stieß, rannte es weg. Am nächsten Morgen stellten wir zudem fest, dass die Biester auch vor unseren Fahrrädern keinen Halt machten, überall waren Pfotenabdrücke. Das sollte jetzt übrigens öfters passieren, ein Possum hat sogar versucht, Johans Sattel zu essen, er hat jetzt einen schönen Zahnabdruck eingraviert!

After the storm

Nach dem Sturm

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Obwohl es noch immer regnete, wollten wir auf Mt. Field wandern gehen. Immerhin hat es uns viel Mühe gekostet, bis hierhin zu kommen und da wollten wir wegen ein bisschen Regen nicht aufgeben. Eine nette Frau, Tony, die neben uns zeltete, nahm uns in ihrem Auto mit nach oben und wir wanderten dann ganze fünf Stunden im strömenden Regen. Wir waren über 1000m hoch und die Holzwege waren total vereist und rutschig. Wir wanderten durch wunderschöne Moorlandschaften, die mit sogenanntem ‘button grass’ bewachsen waren. Wir sind um Seen gewandert, die wir nur erahnen konnten. Wir wanderten durch den Busch mit riesigen Eukalyptusbäumen und farbenfrohen Baumstämmen. Wir sahen viel Wombatkot – kann man daran erkennen, dass Wombats ihr Geschäft in Würfeln verrichten, da sie nur vier Schließmuskeln haben. Viel mehr war nicht zu sehen und um ganz ehrlich zu sein, Spaß hat’s auch keinen gemacht, aber wir wollten nicht umdrehen, da wir hofften, dass das Wetter besser werden würde. Tony hat uns dann wieder nach unten gebracht und wir konnten es kaum erwarten nach einer heißen Dusche wieder in unsere Schlafsäcke zu kriechen.

Hoping for the rain to stop

Hoffen auf schöneres Wetter

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Auch die nächsten Tage waren regenreich. Ab und zu war ein schöner Tag dazwischen und wir konnten endlich die sich ständig ändernde Landschaft bewundern. Schroffe Berge, rauhere Landschaften, schiefe Bäume, denen man ansah, dass sie dem starken Wind kaum standhalten können, atemberaubende Ausblicke an sonnigen Tagen, einsame Straßen mit nur einer handvoll Autos pro Tag, keine Anzeichen irgendeiner Zivilisation zwischen den Städten. Die Berge wurden für uns zunehmend schwerer mit steilen und langen Anstiegen gefolgt von kurzen und steilen Abfahrten.

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Undressing once more

Mal wieder umziehen

Cycling past beautiful houses

Wir fahren an schönen Häusern vorbei 

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Moorland covered by button grass

Moorland mit ‘button grass’

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In Derwent Bridge zelteten wir auf einem kostenlosen Campingplatz und weil es regnete konnten wir in einer nahegelegen Hütte im Nationalpark kochen. Da gab es sogar eine offene Feuerstelle mit bereitgelegtem Holz und Johan hat uns so richtig ‘eingeheizt’. Am nächsten Morgen waren es unter 4 Grad Celsius und wir konnten es kaum erwarten, in der Hütte wieder ein warmes Feuer zu machen.

Cooking in the picnic hut

Abendessen vorbereiten in der Hütte

"I am soooo cold!"

“Mir ist kaaaaaalt!”

Morning mood at the lake next to our campsite

Morgenstimmung am St. Clair See im Mount Cradle National Park

Finally we can dry our clothes ;-)

Endlich trocknet unsere Wäsche wieder😉

Endlich schien auch die Sonne wieder und heute sollte unser schönster Tag auf Tasmanien werden mit noch tolleren Landschaften, schrofferen Felsformationen, außergewöhnlicher Flora und Fauna und mehr Seen. Ein langer Tag endete mit einem langen und steilen Anstieg und einer langen und kalten Abfahrt nach Queenstown, einer historischen Zeche. Die Berge hier sind kahl, kein Strauch oder Baum wächst hier mehr, da hier vor mehr als 100 Jahren die Wälder abgeholzt und in den Zechen verbrannt wurden. Die resultierenden Sulfatabgase machten das umgebende Land komplett unfruchtbar und keine Pflanze will hier mehr wachsen. Die Stadt selbst fühlte sich sehr unwirklich an, ein bisschen wie Hollywood und die Menschen wie Statisten in einem Western.

Lake St. Clair at Mt. Craddle National Park

St. Clair See im Mt. Cradle National Park

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Lunch break at the top of a hill, it's chilly.

Mittagspause auf einem Berggipfel, es ist mal wieder saukalt.

..and it's not getting warmer!

..und es wird nicht wärmer!

Watch for echidnas and cyclists!

Achtung Ameisenigel und Radfahrer!

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Tough cycling

Hartes Fahren

P1100054Getting closer to the last climb
Wir nähern uns unserem letzten Anstieg

Still enjoying the ride

Noch genießen wir das Radeln

 

 

 

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We made it

Geschafft!

And now the fun part starts: downhill in the cold.

Und jetzt kann der Spaß beginnen: abwärts in der Kälte

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Downhill at 120km/h!

Abwärts mit 120km/h!

Queenstown

Queenstown

Für die nächsten Tage war wieder schlechtes Wetter angesagt mit tagelangem Regen und kalten Winden. Obwohl wir beide teure Goretex Regenkleidung haben sind wir innerhalb weniger Stunden klatschnass, innen und außen. Von wegen wasserdicht und atmend! Dasselbe gilt für unsere Timberland Wanderschuhe. Innerhalb einer Stunde haben wir Schwimmbäder in unseren Schuhen. Das ist bei diesem Wetter ziemlicher Mist! Da es uns mittlerweile ständig so kalt war und schöneres Wetter auch nicht in Sicht war, haben wir uns Kabinen auf den Campingplätzen gemietet, um ein bisschen warm zu werden und vor allem unsere Kleider zu trocknen. In Rosebery hatte der Besitzer eines kleinen Restaurants so viel Mitleid mit uns, dass er uns anbot, uns am nächsten Tag über den nächsten Berg zu fahren. Wir konnten natürlich nicht widerstehen und als wir im Dauerregen an der nächsten Kreuzung ankamen, fuhr er noch ein Stück weiter, und dann noch ein Stück und dann noch ein Stück bis wir schließlich nach ca. einer Stunde an unserem Tagesziel ankamen. Die Strecke hätten wir bei diesem Wetter und bei den Steigungen sicherlich nicht geschafft. Und da zwischendrin absolut nichts war, wo wir einigermaßen geschützt hätten zelten können, waren wir sehr dankbar für diese unerwartete Hilfe.

On our way to Rosebery

Auf dem Weg nach Rosebery

Another lunch break next to the road

Mittagessen am Straßenrand

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Our nice 'chauffeur'

Unser netter ‘Chauffeur’

Wir waren jetzt in Cradle Mountain und hatten einen vollen Tag gewonnen. Im Regen sind wir wieder um einen See gewandert, dieses Mal allerdings nur zwei Stunden und ohne Schnee, obwohl wir auch hier auf fast 1000m Höhe waren. Wir blieben hier noch einige Tage, haben Pademelons (kleine Kängurus) und Wombats gesehen und sind an einem schönen Tag wieder weitergefahren. Endlich wieder Sonnenschein! Wir radelten noch zwei weitere Tage auf Tasmanien und nahmen wieder ein Nachtboot zurück nach Melbourne.

Shuttle bus at Cradle Mountain National Park with a view

Shuttle Bus im Cradle Mountain National Park mit Aussicht

Rainforest

Regenwald, wo sind die Hobbits?

A walk in the rain

Spaziergang im Regen

Boardwalk in the rain forest

Noch ein Spaziergang im Land der Hobbits

A Pademelon

Ein Pademelon

A beautiful wombat

Ein dicker Wombat

We finally see Cradle mountain in the background

Endlich sehen wir Cradle mountain im Hintergrund

Wombat poo

Wombat Fäkalien

Sad roadkill

Ein totes Känguru am Straßenrand

Leaving Cradle Mountain

Nach Cradle Mountain

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Still alive...

Diese Schlange lebt noch…

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Last day on Tassie

Letzter Tag auf Tassie

Bye bye Tassie!

Tschüs Tassie!

Tassie war super, zumindest was die Landschaft angeht. Immer schön und außergewöhnlich und oft dramatisch. Auf jeden Fall ein Ort, in den man sich verlieben kann. Wir haben 26 Tage auf der Insel verbracht, an denen es 12 ganze Tage geregnet hat und uns der Wind 24 Tage ins Gesicht blies. Insgesamt sind wir mehr als 1.200 km gefahren. Ob wir hier nochmals radeln würden? Wohl eher nicht, zumindest nicht mit unsrem Gepäck. Zum ersten mal waren wir neidisch auf all die  Menschen, die nach den Wanderungen in ihre Autos oder Campervans steigen konnten. Die konnten einfach die Heizung aufdrehen und warm und trocken werden. Das Wetter ist hier sicher nicht für Fahrradfahrer geeignet, es ist unvorhersehbar, oft kalt, nass und stürmisch. Trotzdem war die Insel eines unserer Highlights auf dieser Reise und für Wanderer ist sie sicherlich ein Paradies.

Tassie, vielen Dank für die vielen tollen Eindrücke!

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