Abenteuer Tasmanien – Die Ostküste

19. November – 4. Dezember 2013  – Den ganzen Vormittag haben wir mit Umpacken verbracht, da wir so wenig wie möglich Gewicht mitnehmen wollen, wohlwissend, dass uns in den kommenden Wochen ein Paar Hügel dazwischen kommen. Wenn wir gewusst hätten wie viele und wie schwer die sind, hätten wir sicher noch weniger Gepäck mitgenommen. Hierüber später noch ausführlicher.
Pünktlich um 19.30 Uhr verließ unser Schiff den Hafen. Grundsätzlich war die Überfahrt ruhig, mit Ausnahme eines etwas seltsamen Paares, das neben uns saß. Kurz nach Abfahrt massierte die Frau ihrem Mann den Bauch, damit dieser in Ruhe für ca. fünf Minuten am Stück rülpsen konnte. Während ich nebenan gerade mein Abendbrot verzehrte. Sehr appetitlich. Und mit Ausnahme einiger aufgeregter asiatischer Jugendlicher, die sehr lange sehr viel Lärm machten. Und mit Ausnahme einer in die Jahre gekommenen Dame, die auf ihrem Handy Computerspiele in voller Lautstärke spielte. Aber egal, wir konnten sowieso nicht schlafen, dafür waren die Sitze viel zu unbequem.
On our way to the harbor

Auf dem Weg zum Hafen

Skyline Melbourne

Skyline Melbourne

Am nächsten Morgen liefen wir gegen 6.30 Uhr vom Schiff und fuhren erst einmal zu McDonalds zum Frühstücken und Aufwärmen, da es grau und kalt und regnerisch war. Außerdem mussten wir unseren nächsten Gastgeber über unsere Ankunftszeit informieren, aber WLan funktionierte leider nicht.

G'day Tassie.

G’day Tassie.

Gegen 8.30 Uhr waren wir dann soweit, eingepackt in unsere Regenanzüge machten wir uns auf den Weg nach Launceston. Noch ein kurzer Blick auf die Karte, um zu checken, wo wir unser Mittagessen kaufen können und dann Entscheidung, dies in einem der nächsten Dörfer zu tun. Das war dann auch Anfängerfehler Nummer eins: als wir nach ca. drei Stunden Radeln leichten Hunger verspürten fiel uns auf, dass die Dörfer auf unserer Karte aus ein Paar Häusern bestehen, sonst nichts. Wir sind sogar durch ein Dorf durchgefahren, ohne es zu bemerken. Zum Glück lief dann gerade ein Bauer auf der Straße, den wir fragen konnten. Das nächste Dorf mit Supermarkt in unserer Richtung lag 40km entfernt. Unmöglich, diese Distanz ohne Essen zu bewältigen. Also drehten wir um und fuhren in eine kleine Hafenstadt, wo wir unser Essen kaufen und eine leckere heiße Schokolade trinken konnten. Wir waren mittlerweile total durchgefroren, es regnete noch immer. Nachdem uns ungefähr zehn Menschen bestätigten, dass heute kein toller Tag zum Radeln sei, fuhren wir zum Campingplatz, um hier zu übernachten.
Dort angekommen kamen wir zum ersten Mal in den Genuss einer voll ausgestatteten Camp-Küche mit Heizung und einem schlecht gelaunten Eigentümer. Als wir fragten, ob wir aufgrund des heftigen Regens eventuell in der riesigen Küche schlafen dürfen, motzte er uns nur an, das ginge aus hygienischen Gründen selbstverständlich nicht. In dieser Nacht mussten wir dann feststellen, dass der Boden unseres Zeltes nicht mehr wasserdicht ist. Tolle Aussichten!
Auch am nächsten Tag war das Wetter keinen Deut besser. Wir warteten bis 10 Uhr und als sich der Himmel ein bisschen aufklärte, setzten wir uns auf die Räder und fuhren los. Es dauerte keine zehn Minuten und wir fuhren durch einen Hagelsturm. Wir wurden regelrecht ‘hagelgestrahlt’. Wir fuhren tapfer weiter und allmählich wurde aus Hagel wieder heftiger Regen und dann leichter Regen und irgendwann haben wir sogar die Sonne gesehen. Eine kurze regenfreie Periode nutzten wir für unser Mittagessen und um wieder so richtig kalt zu werden. Die Landschaft war übrigens super, alles war sehr grün, wir fuhren überwiegend durch Eukalyptuswälder, enlang wilder Flüsse, an Seen vorbei und über unzählige Hügel. Steile und flache Hügel, kurze und lange Hügel, aber eines war sicher: jedem noch so kleinen Anstieg folgte sofort eine Abfahrt, nur um direkt danach wieder nach oben zu strampeln. Wir waren so froh, dass wir diese Strecke nicht am Vortag gefahren sind, wir hätten das nie an einem Nachmittag geschafft.
Da wir in Launceston eine Unterkunft hatten, wollten wir die Strecke auf jeden Fall schaffen. Gegen 14 Uhr merkten wir allerdings, dass wir so gar keinen Fortschritt machten. Mittlerweile blies uns der Wind so heftig ins Gesicht, dass wir auch bergab nicht schneller als 8km/h fahren konnten. Wir traten und traten und kamen nicht von der Stelle. Dieser Tag war so anstengend und frustrierend, dass wir Chris anriefen um ihm mitzuteilen, dass wir die Strecke nach Launceston unmöglich schaffen, wir hatten noch mehr als die Hälfte vor uns. Chris bot uns dann an, uns abzuholen, was wir natürlich ohne lang zu zögern annahmen. Das war unser Energiekick und fröhlich traten wir wieder in die Pedale. Und plötzlich fuhren wir in eine andere Richtung und mit ein bisschen Wind im Rücken und bergab kamen wir endlich voran. Nur 15km vor Launceston kam uns dann Chris entgegen, der unser Gepäck in sein Auto lud, damit wir den Rest des Weges trotz Gegenwind wieder einfacher hatten. Zuhause begrüßten uns dann Barnaby und Sherlock, zwei prima Hunde, die wir die nächsten Tage bespaßten. Chris hat uns ein leckeres Abendessen gekocht und wir haben uns für den Rest des Abends nett unterhalten.
Our first trucks

Unsere ersten LKWs

Hey, I used to live there...

Ha, da habe ich doch auch schon gewohnt….

After the storm is before the storm

Nach dem Sturm ist vor dem Sturm

DSCF9643

Da die Wetteraussichten für die nächsten Tage bescheiden waren, beschlossen wir, auf Haus und Hunde aufzupassen, da Chris und seine Frau Caro übers Wochenende wegfuhren. Wir hatten ein tolles Wochende, sind zweimal täglich mit den Hunden spaziert, haben sie geknuddelt und gefüttert, haben die Stadt und ihre Museen besichtigt, sind durch die nahegelegene Schlucht gelaufen, haben eine Radtour durch schöne alte Dörfer gemacht und noch zwei weiter nette Abende mit Chris und Caro verbracht. Übrigens war das Wetter super, das ganze lange Wochenende lang. Die Wettervorhersagen in Tasmanien waren bisher völlig für die Katz’.

Sherlock: "I'm tired, can I get a bone instead?"

Sherlock: “Ich will nicht mehr, wie wär’s anstatt mit einem Knochen?”

Evandale - a historic village

Evandale -ein historisches Dorf

In front of a heritage house

Vor einem der vielen denkmalgeschützten Häuser

Australia is actually Neu Holland

Australien ist eigentlich Neu Holland

Huge trees in a huge country

Riesige Bäume in einem riesigen Land

The gorge at Launceston

Die Schlucht in Launceston

The mutts family

Die Hundefamilie

Irgendwann fuhren wir dann doch wieder weiter in Richtung Osten. Dieses Mal mussten wir fast den ganzen Tag lange nach oben fahren, allerdings mit sehr moderaten Steigungen, dazwischen gab es immer mal wieder eine steilere Episode. Auf einem Hügel machten wir Rast in der Sonne, allerdings nicht sehr lange, da uns der kalte Wind aus der Antarktis direkt wieder frieren ließ. Bergab genossen wir dann tolle Aussichten und irgendwie erinnerte uns die Landschaft doch sehr an ‘Der Doktor und das liebe Vieh’. Abends angekommen zelteten wir auf einem kostenlosen Campingplatz, beobachteten, wie ein Erpel das hässlichste Entlein vom See vergewaltigte und gingen wie immer früh zu Bett. Der nächste Tag sollte noch anstrengender werden.

Downhill

Abwärts

Logging truck

Holz-LKW

Before the climb

Vor dem Anstieg

Afternoon nap

Mittagsschlaf

The Sideling - we can already see Scottsdale, but it is still way to go

Sideling Aussichtspunkt- wir sehen Scottsdale schon, es ist aber noch ein langer Weg dahin

First camp next to the duck pond

Unser erster Zeltplatz neben dem Ententeich

At an old mining village

In einem alten Bergwerkdorf

Fahrradfahren in Tasmanien ist nirgends so richtig einfach, es sei denn, man hat endlos Zeit und kann kürzere Distanzen fahren. Da wir aber in der nächsten Kleinstadt wieder privat übernachten konnten – dieses Mal im Garten zeltend – mussten wir mehr als 100km und zwei Pässe schaffen. Pass hört sich richtig hoch an. Ihr lacht, wenn ihr lest, wie hoch die Pässe hier sind. Ich sag’s euch trotzdem: 600m. Das ist kein Witz und auch kein Tippfehler, es fehlen weder die 1 oder 2 vor der 6. Schlappe 600m. Es hört sich lächerlich an, aber für uns sind die Berge hier schwerer als richtige Pässe wie z.B. in den Alpen, da die Straßen hier viel steiler sind. In den Alpen kommt man in einen Rhythmus und kann stundenlang mit nur wenigen Stopps dazwischen radeln. Hier fühlen sich alle Steigungen so an, als wären sie deutlich über 10%, meine bisher langsamste gemessene Geschwindigkeit war 3,8km/h. Da fällt man fast vom Rad. Dieses ständige Auf und Ab war tötlich, es gab keine flachen Stücke dazwischen und im Westen sollte es noch schlimmer werden. Trotzdem haben wir den Spaß am Radeln nicht verloren, dazu sind die Landschaften viel zu unglaublich, wild, weit, wunderschön, faszinierend, atemberaubend, überraschend, englisch, irisch, schottisch, grün und blühend, um nur einige Eindrücke zu vermitteln. Alte Zechendörfer versetzten uns in das Goldrauschzeitalter. Alte Holzhäuser erzählten Geschichten von vergangenem Glanz. Tote Tiere am Straßenrand waren der traurige Beweis dafür, dass es noch zahlreich wildes Getier im Busch gibt.

And uphill again

Und wieder nach oben

Beautiful landscape - beautiful colors

Herrliche Landschaften – herrliche Farben

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Our first Echidna - one of the cutest animals we've met in Tassie

Unser erster Ameisenigel – eines der süßesten Tiere, die wir hier getroffen haben

Tassie's best pub in between two passes

Tassie’s bestes Wirtshaus zwischen zwei Pässen

In St. Helens sind wir dann bei einem älteren Rentnerehepaar untergekommen, die auf einem kleinen Berg in einer bescheidenen Holzhütte mit Meerblick und großem Garten leben. Super Radeltipps bekamen wir auch. Dort sind wir zwei Tage geblieben und da es am nächsten Tag wieder schlechtes Wetter war, fuhr uns Pip mit dem Auto durch die Gegend. Wir liefen am Strand und durch den Busch an der Bay of Fires und bestaunten riesige Sanddünen im Sandsturm und Regen. Schade, dass wir nicht schöneres Wetter hatten.

Bay of Fires, orange algae on the rocks are a typical characteristic in the bay

Bay of Fires, orange-farbige Algen auf den Steinen sind typisch

Magnificent beaches

Endlose Strände

With Alex and Pip

Mit Alex and Pip

Die folgenden Tage sind wir entlang der Küste in Richtung Süden gefahren, eine faszinierende Strecke mit vielen atemberaubenden Ausblicken. Wir haben am Strand gezeltet und Anfängerfehler Nummer zwei gemacht: wir hatten kein Wasser, da wir dachten, dass jeder kostenlose Campingplatz so toll ausgestattet ist, wie unser erster. Aber dieser Platz hatte nur zwei Plumpsklos, sonst nichts. Daher mussten wir ungewaschen schlafen gehen und am nächsten Morgen ungewaschen weiterfahren, da wir das verbliebene Wasser zum Kochen und Trinken brauchten. Dafür bekamen wir beim Kochen Besuch von mehreren Wallabies (das sind kleine Kängurus), die hofften, auch was abzubekommen. Nachts konnten wir dann dem Rauschen des Meeres und dem Schnüffeln der Tiere zuhören, die sich noch ein paar Leckerbissen erhofften.

Shortly after St. Helens

Kurz nach St. Helens

Getting chilly again

Es wird wieder kälter

On the way to Bicheno

Auf dem Weg nach Bicheno

Unfortunately no penguin crossed the road

Leider hat kein Pinguin die Straße überquert

Resting in the sun

Ausruhen in der Sonne

Arrival at the Friendly Beaches campsite

Ankunft auf dem Friendly Beaches Campingplatz…

…and being welcomed by some wallabies.

…und Begrüßung durch Wallabies.

Have a closer look at what is sitting behind the fence

Wer sitzt denn da hinter dem Zaun?

Another curious visitor

Noch ein neugieriger Besucher

Getting ready in the morning

Fertigmachen für den Tag

Wir haben uns die berühmte Weinglasbucht angeschaut und sind dafür auf einen Berg geklettert; wir haben einen vollen Tag mit Rückenwind und sanft hügeligen Straßen genossen. Wir sind mehr geflogen als gefahren und sind den ganzen Tag mit einem Grinsen im Gesicht auf den Rädern gesessen. Tasmanien ist faszinierend! Ist das der Beginn einer Liebesgeschichte? Es gibt hier sogar Weinberge und preisgekrönte Weine! In Richmond haben wir die älteste Brücke Australiens bestaunt und uns einen Campingplatz mit warmen Duschen gegönnt. Duschen ist für uns jetzt tatsächlich Luxus, da es auf den kleineren Campingplätzen meist keine Waschgelegenheiten gibt. Trotzdem genießen wir das Campen sehr, wir schlafen wunderbar in unseren warmen Schlafsäcken und können es abends kaum erwarten hineinzukriechen, den Tag Revue passieren zu lassen und mit der untergehenden Sonne einzuschlafen.

Wineglass Bay

Wineglass Bay

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Sunset at our camp next to a river at Coles Bay

Sonnenuntergang am Fluss in der Coles Bay

Our camp by the river

Unser Camp am Fluss

Another Echidna

Noch ein Ameisenigel

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Another hill tackled

Auch dieser Hügel ist geschafft!

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Blooming poppy field: 40% of the world's legal opium crop is grown in Tasmania

Blühender Klatschmohn: 40% des weltweit legalen Opiums wird in Tasmanien angebaut

In front of the fenced and highly secured poppy field

Vor dem eingezäunten und hoch gesicherten Mohnfeld

Breaking down camp and drying the tents

Aufbruch und Zelt trocknen

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Nach sieben anstrengenden Radeltagen seit Launceston, einem Ruhetag in St. Helens und 505km kamen wir nachmittags in Hobart an, der Hauptstadt Tasmaniens. Dieses Mal übernachteten wir bei Greg, einem Warm Showers Mitglied, der uns fürstlich bekocht und bewirtet hat. Hobart war das Ende unserer Reise an der Ostküste, jetzt sollte der Spaß erst richtig beginnen. Zum Glück wussten wir nicht, was wirklich auf uns zukommen sollte. Leider haben wir unseren Ruhetag in Hobart nicht ruhend, sondern besichtigend verbracht und traten den zweiten und härtesten Teil unserer (Tasmanien)Reise müde und unausgeschlafen an.

Cycling Hobart

Radeln in Hobart

Salamanca place at Hobart

Salamanca Platz in Hobart

Gefahrene Kilometer:

20. November, Devonport – Port Sorell: 40km
21. November, Port Sorell – Launceston: 74km
22. November, Launceston – rest day
23. November, Launceston – Longford – Evandale – Launceston: 70km
24./25. November, Launceston: 11km
26. November, Launceston – Scottsdale: 66km
27. November, Scottsdale – St. Helens: 103km
28. November, St. Helens – rest day
29. November, St. Helens – Friendly Beaches: 101km
30. November, Friendly Beaches – Coles Bay: 44km
1. Dezember, Coles Bay – Triabunna: 104km
2. Dezember, Triabunna – Richmond: 63km
3. Dezember, Richmond – Hobart: 43km

Gesamtdistanz: 18.522km, davon 839km in Australien

 

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