Malaysia: Gute Seiten, schlechte Seiten

Es ist nun an der Zeit, unsere Tage in Malaysia Revue passieren zu lassen und von einem sehr vielfältigen Land Abschied zu nehmen. Insgesamt sind wir 2,134km geradelt und zwar vom Norden in den Süden, dann in den Osten und wieder in den Süden und zum Schluss in den Westen und den Norden. 73 Tage haben wir in Malaysia verbracht, davon 38 im Sattel und wir haben fast alle Sehenswürdigkeiten der Halbinsel besichtigt.

1 – Das Essen
Mit Sicherheit gehört dies in die Kategorie der Guten Seiten, da hier die Vielfältigkeit einer Kultur an den unterschiedlichsten Gerichten geschmeckt werden kann. Zum Frühstück haben wir uns gerne die indischen Pfannkuchen Roti oder das malaysische Reisgericht Nasi Lemak schmecken lassen. Mittags waren wir im Himmel, da wir meist von Buffets aus einer Vielzahl unterschiedlicher Fleisch-, Fisch- und Gemüsegerichte auswählen konnten, zu sagenhaften Minipreisen (in der Regel haben wir nicht mehr als 4 EUR zusammen bezahlt, Getränke inklusive). Dazu gab es natürlich wie immer Reis. Abends gab es bei uns oft Chinesisch: Gebratene Nudeln, gebratener Reis oder gebratenes Gemüse. Lecker, lecker, lecker!

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2 – Die Menschen
In Malaysia leben Chinesen, Indier und natürlich Malaysier und die Regierung versucht, durch die 1-Kampagne ein vielfältiges Land mit vielfältigen Kulturen zu vereinen. Uns kam es immer und überall so vor, als lebten alle fröhlich und harmonisch mit- und nebeneinander. Oft stand neben einer Moschee eine Kirche, ein indischer und ein chinesischer Tempel. Die Realität sah aber leider anders aus. Einer beschwerte sich über seinen geldgierigen chinesischen Nachbarn, der andere über den schlechten Koch, der natürlich aus Indien kam. Trotzdem fanden alle die 1-Kampagne gut. Und wir fanden definitiv die Menschen gut, die uns über den Weg gelaufen sind. Wir mochten ihre Offenheit und Neugierde gegenüber uns Ausländern und ihre moderne Einstellung gegenüber Frauen, was in einem islamischen Land nicht selbstverständlich ist. Die Menschen gehören auf jeden Fall zur Kategorie Gute Seiten.

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3 – Die Landschaft
Wir waren nicht beeindruckt, wir haben schönere und atemberaubendere Landschaften in anderen Länder Südostasiens gesehen. Zu viele Palmölplantagen, Gewächshäuser oder Baustellen im ganzen Land. Sicher gab es schöne Landstriche wie beispielsweise die Nordwestküste oder Teile des Cameron Hochlands und hier und da hat es uns auch gefallen, aber eben nicht genug um die Wertung ‘super’ zu bekommen.

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4 – Die Architektur
Malaysia hat tolle Architektur zu bieten: Wunderschöne alte Holzhäuser in den ländlicheren Regionen, chinesische Läden und Kolonialgebäude in größeren Städten gehörten zu unseren Lieblingsgebäuden in der Region. Sie waren so vielfältig wie das Land selbst und so unterschiedlich wie nur möglich, jede Kultur hat ihre eigenen Stilrichtungen. Leider sehen das die Malaysier anders: mit Ausnahme der UNESCO Städte gammeln viele alte Häuser vor sich hin oder werden durch billige Renovierungen verschandelt. Nichtsdestotrotz fällt die Architektur in die Kategorie der Guten Seiten.

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5 – Die Umwelt
Hier sieht es ganz schlecht aus. Von Umweltschutz haben hier noch nicht viele gehört. Es fängt damit an, dass man in Supermärkten darum betteln muss, keine Tüte zu bekommen. Es geht mit der Verpackung von Lebensmitteln weiter: zuerst wird jeder Keks einzeln verpackt; diese Kekse kommen dann in eine Plastikschale, die wiederum in einer großen Plastikverpackung steckt. Wir hatten immer ein schlechtes Gewissen, wenn wir die Abfallberge sahen, die wir selbst produziert haben. Starbucks serviert Kaffee in Pappbechern, um Kunden schneller zu bedienen. Lächerlich. Autos stehen auf Parkplätzen mit laufenden Motoren, während deren Besitzer mal kurz einkaufen gehen. Es könnte ja warm werden im Auto. Ich könnte so unendlich weitermachen. Kategorie – sauschlecht.

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6 – Die Kaffeekultur
Gibt es nicht. Kaffee wird zwar im Hochland angebaut, aber scheint nur für den Export bestimmt zu sein. Jedenfalls konnten wir Kaffeepulver nur in Städten und in großen Supermärkten bekommen. Nicht, dass hier kein Kaffee getrunken wird. Nein, nein. In Supermärkten befinden sich meterlange Regale mit 3-in-1 löslichem Kaffee in allen möglichen Größen und Verpackungen. Und nur aus diesem Grund haben wir uns noch mit Starbucks eingelassen, die in jeder kleinen Stadt, sei sie auch noch so entfernt gelegen, zu finden waren. Denn jedes Mal, wenn wir kein Kaffeepulver mehr hatten, mussten wir unseren Kaffeedurst ja irgendwo stillen. Traurig, aber wahr. Kategorie Na Ja.

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7 – Der Fahrstil
Ob reich oder arm, fast jeder, der einen Führerschein besitzt, hat auch ein Auto. Und wenn du ein Auto hast, dann fährst du gefälligst schnell, auch wenn dein Auto in jeder Kurve fast auseinander fällt. Und dann läufst du auch nicht mehr als 20 Meter. Wenn es keinen Parkplatz direkt vor dem Laden oder dem Food Court gibt, dann fährst du eben weiter. Macht ja nix, ein Liter Benzin kostet ja auch weniger als ein Liter Mineralwasser. Und in der Konsequenz wird auch die Bevölkerung immer dicker, viel zu viel Essen und viel zu wenig Bewegung. Die westlichen Kulturen haben hier ein schlechtes Vorbild abgegeben. Kategorie Nicht so doll!

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8 – Die Infrastruktur
Unglaublich. Fast perfekte und viele, viele Straßen, die dich überall hinbringen. Solange du im Auto sitzt. Und nicht auf einem Fahrrad. Es gibt nämlich kaum Seitenstreifen und die vorhandenen Straßen sind dem ständig wachsenden Verkehr kaum mehr gewachsen. Dementsprechend sind die Todeszahlen auf der Straße: viel zu hoch. Internet gibt es fast überall und umsonst. Das ist toll. Jeder hat mindestens ein Smartphone, zwei scheint der Durchschnitt zu sein. In Restaurants spricht man nicht mehr miteinander, man kommuniziert nur noch mit dem Smartphone. Das ist übrigens nicht nur in Malaysia der Fall, in anderen Ländern Südostasiens lief das nicht viel besser. Daumen hoch oder runter? Öffentlichen Transport scheint es auch zu geben, aber entspricht er dem Bedarf? Wir wissen es nicht, da wir nur in Kuala Lumpur öffentlich unterwegs waren und dort waren wir durchaus damit zufrieden. Fällt damit in die Kategorie So lala.

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Das ist unsere ganz persönliche Meinung und ist sicherlich nicht objektiv oder vollständig. Dies beschreibt nur, wie wir uns in diesem Land gefühlt haben. Insgesamt hatten wir gute und schlechte Zeiten, wie so oft im richtigen Leben. Wir haben viele tolle Menschen getroffen und sind dafür sehr dankbar. Wir haben Freunde fürs Leben gewonnen und nehmen schöne Erinnerungen aus diesem Land mit nach Hause. Vielen Dank Malaysia!

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