Albtraum Cameron Hochland

2. – 9. September 2013 – Am 2. September war es dann endlich soweit, wir haben uns wieder auf den Weg gemacht. Zunächst ging es erst einmal 40km auf einer stark befahrenen Schnellstraße in Richtung Süden, bevor wir Richtung Küste auf ruhigere Straßen abbiegen konnten. Ich habe das bereits erwähnt, aber leider macht uns das Radfahren in Malaysia wegen der stark befahrenen Straßen nicht so viel Spaß. Außerdem gibt es fast nie einen Seitenstreifen, noch nicht einmal auf den Schnellstraßen. Jeder scheint ein Auto zu haben und die Autofahrer kennen auch hier nur eine Geschwindigkeit und das ist die Höchstgeschwindigkeit. Entspannt radeln war einmal! Unsere Augen sind die ganze Zeit ausschließlich auf  die Straße oder den vorbei rauschenden Verkehr ausgerichtet und wir haben kaum die Möglichkeit, die schöne Landschaft zu bewundern. Selbst Nebenstraßen und Straßen die so klein sind, dass sie nicht einmal auf unserer Karte erscheinen, sind stark befahren und wir hofften, dass es im Osten Malaysias etwas besser werden würde.

Am ersten Tag dieser Etappe sind wir viel weiter gekommen als erwartet, da wir Rückenwind hatten. Das hat mal so richtig Spaß gemacht mit Geschwindigkeiten von durchschnittlich 27km/h auf flachen Straßen. Das passiert uns nicht oft. Mittlerweile regnet es übrigens wieder jeden Tag, wir nähern uns mal wieder dem Monsun, der so richtig im November beginnt. Normalerweise fängt der Regen am späten Nachmittag an, dauert ungefähr eine Stunde und dann ist alles vorbei. Manchmal ist das eine willkommene Pause für uns, aber meistens fängt der Regen nur ein Paar Minuten zu früh an, was für uns bedeutet, dass wir erst am Abend ankommen. Bisher noch immer vor Einbruch der Dunkelheit, aber leider eine bis zwei Stunden zu spät, um noch ein bisschen auszuruhen.

Tailwind

Rückenwind

Wir sind einen Tag in Taiping geblieben, um den größten Mangrovenwald Malaysias zu besichtigen. Dieser Wald macht 60% des gesamten Küstenwaldbestandes aus. Überall wurde Wald abgeholzt, um Platz für Palmölplantagen und Garnelenfarmen zu machen. Der verheerende Tsunami in 2004 hat dann gezeigt, wofür die Mangrovenwälder gut sind und im Land wird nun langsam wieder aufgeforstet.

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Palm-oil plantations on our way to the mangrove forest

Palmoölplantagen auf dem Weg zum Mangrovenwald

Am nächsten Tag mussten wir wieder die Schnellstraße nehmen, es gab keine andere Möglichkeit. Ein weiterer stressiger Tag, an dem wir mehr Abgase als Sauerstoff eingeatmet haben und die wunderschöne Umgebung um uns herum kaum wahrgenommen haben. Auf ungefähr halbem Weg hielten wir in der königlichen Stadt Kuala Kangsar an, um dort zu Mittag zu essen und haben uns gleich die königlichen alten und neuen Paläste und die angeblich schönste Moschee Malaysias angeschaut. Zum Mittagessen wurden wir übrigens von einem pensionierten Lehrer eingeladen, der uns dann auch in seiner Heimatstadt herumgeführt hat. Trotz ihres absurden Fahrverhaltens finden wir die Menschen in Malaysia noch immer außerordentlich freundlich und zuvorkommend. Wie immer regnete es gegen später und wir pausierten für eine Stunde um dann mal wieder spät in Ipoh anzukommen.

Unfortunately we had to wear mask again, too much car exhaust

Leider mussten wir wieder Gesichtsmasken tragen, anders waren die Abgase nicht zu ertragen.

Arriving at the Royal Town

In der ‘Königlichen Stadt’ angekommen

Die wunderschöne Moschee:

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Alter königlicher Palast:

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Our 'tour guide'

Unser ‘Reiseführer’

Am nächsten Tag haben wir Ipoh besichtigt, da es hier noch viele schöne Kolonialhäuser wie z.B. den Bahnhof und alte chinesische Läden gibt. Wir waren nicht wirklich von der Stadt beeindruckt und freuten uns auf die nächsten Tage, da wir nun ins Hochland in die frische Luft fahren würden.

Offloading goods in front of a warehouse

Abladen eines LKWs vor einem Lager

A typical Chinese shop

Ein typisch chinesischer Laden

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The old colonial train station

Der alte Bahnhof im Kolonialstil

Der Tag des Anstiegs fing nicht wirklich gut an. Um kurz nach 7 Uhr hätte es losgehen können, wäre da nicht der Platten an meinem Fahrrad gewesen. 30 Minuten später machten wir uns dann endlich auf den Weg, natürlich im Regen und auf wie immer vollen Straßen. An der Kreuzung in Richtung Cameron Highlands, ca. 14km nach unserem Start, hatte ich schon wieder einen Platten und wir legten eine weitere Zwangspause ein. Abladen, reparieren – mein Hinterrad bekam sogar einen neuen Mantel, wahrscheinlich kamen die vielen Platten von meinem abgefahrenen Hinterreifen – alles wieder aufladen und weiter ging’s. Nur leider funktionierte plötzlich meine Gangschaltung nicht mehr. So langsam waren wir beide ziemlich genervt. Johan vermutete, dass wir eine Schraube verloren hatten und wir suchten den gesamten Parkplatz ab, konnten aber nichts finden. Also wieder alles abgeladen, Rad ausmontieren und noch mehr schauen. Es hat ungefähr eine halbe Stunde gedauert um festzustellen, dass die Kette vom Zahnrad gesprungen war. Jetzt mussten wir doch über unsere eigene Blödheit lachen und hofften, dass das die Pannen für heute waren.

Nun konnte es endlich losgehen. Fast den ganzen Tag fuhren wir auf steigenden Straßen im Dauerregen. Ab und zu ging es mal für kurze Stücke etwas steiler hoch aber insgesamt war die Steigung doch sehr moderat und selbst mit unserem Gepäck einigermaßen machbar. Insgesamt sollten wir 60km bergauf fahren, die längste Strecke, die wir je hochgefahren sind. Leider war die Straße auch hier sehr befahren, obwohl uns viele Leute vorher versicherten, dass hier nicht viel los sei und uns höchstens ein Paar Gemüselastwägen überholen würden. Von wegen, es war Freitag und viele Malaysier verbrachten ihr Wochenende im erfrischenden Hochland. Die sehr schöne Landschaft konnten wir leider nur erahnen, wenn die Wolken ab und zu mal aufrissen und wir einen Blick ins Tal und über die Berge erhaschen konnten. Je später es wurde desto mehr regnete es und desto stärker wurde der Verkehr. Das Radeln hat nicht wirklich Spaß gemacht und gegen 16 Uhr und 19km vor dem nächsten Dorf beschlossen wir einen LKW anzuhalten, der uns mitnehmen sollte. Mittlerweile war es schon so gut wie dunkel, da wir durch schwarze Regenwolken radelten und die Temperaturen sind von 30 auf 18 Grad Celsius gesunken. Bis hier sind wir bereits 40km bergauf gefahren auf eine Höhe von ca. 1.200m. Nach 45 Minuten hielt endlich ein Auto mit einem Fahrer an, der bereit war, zwei müffelnde und klatschnasse Radler ins Auto zu lassen und zwei dreckige und vollbeladene Räder auf die Pritsche zu laden.

Leaving Ipoh

Kurz hinter Ipoh

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Roadkill

Überfahrener Varan

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Und zum Glück hielt dieser Fahrer an, da er uns dann auch gleich einen Schlafplatz organisiert hat, da es im nächsten Dorf nämlich kein Hotel gab. Am nächsten Tag sind wir weitere 22km gefahren, dieses Mal über sehr steile Berge, um in das nächste Dorf zu kommen. Der Verkehr war mal wieder abartig und das auf einer kleinen, kurvigen Straße. Stinkende Busse transportierten hunderte Touristen zu den Attraktionen des Hochlands. Hinter fast jeder Kurve waren Touristenstände aufgebaut, um überteuertes Obst, Gemüse und Tee zu verkaufen. Die Berge selbst waren total verschandelt von Gewächshäusern, Hotels und Baustellen. Und zu allem Übel gab es keine Erdbeeren, auf die wir uns so gefreut hatten. Die Saison sollte erst in einem Monat starten. Was für eine Enttäuschung.

'Quiet and pretty Cameron highlands? Did we miss something?'

‘Ruhiges und schönes Cameron Hochland? Haben wir irgendetwas verpasst?’

This chap is clearly proud of his heritage...

Ein stolzer Malaysier

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Endlich in unserer Pension angekommen waren wir so frustriert über diesen viel zu touristischen Ort, dass wir so schnell wie möglich wieder abreisen wollten. Wir mussten uns einen Tag von den ‘Bergauf-Strapazen’ erholen, den wir nutzten, um unsere Armbänder zu verkaufen und sind dann am darauf folgenden Tag abgereist. Wir mussten eine lange Distanz überwinden, aber da es anscheinend nur bergab gehen sollte, gingen wir den Tag ruhig an. Wir haben unser Essen für den Tag gekauft, sind an wunderschönen Teeplantagen vorbeigefahren und haben die 50km abwärts mehr als genossen – wir fuhren auf einer nagelneuen und kaum befahrenen Straße. Auch hier versicherte man uns, dass es weiterhin nur bergab gehen würde. Leider war dem nicht so, die Straße wurde plötzlich stark hügelig und wir schlecht gelaunt. Normalerweise macht es uns nichts aus, auf bergigen Straßen zu fahren, solange wir uns darauf einstellen können. Wir waren aber nicht darauf eingestellt und deswegen war der Tag für uns sowohl mental als auch physisch eine Strapaze. Wir konnten unser Tagesziel auch nicht erreichen und mussten mit einer fürchterlichen, da sehr dreckigen Unterkunft Vorlieb nehmen, da wir aufgrund des Regens keine Lust auf zelten hatten.

Teeplantagen:

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Abwärts:

Finally downhill

Endlich!

Only downhill?!?

Wie, ich dachte wir fahren nur runter?!?

Palm-oil plantations at the bottom of the highlands

Palmölplantagen am Fuße des Hochlands

Und was lernen wir daraus: Traue niemals Nicht-Radfahrern zu, das Profil einer Straße korrekt einzuschätzen. Nie, nie, nie, nie, NIE!

Geradelte Kilometer:
2. September, George Town – Taiping: 115km
3. September, Taiping – K. Sepetang – Taiping: 39km
4 .September, Taiping – Kuala Kangsar – Ipoh: 95km
5. September, Ruhetag in Ipoh
6. September, Ipoh – Kampung Raja: 54 km
7. September, Kampung Raja – Tanah Rata: 22km
8. September, Ruhetag in Tanah Rata
9. September, Tanah Rata – Kuala Medang: 103km

Gesamtdistanz: 15.937km, davon 695km in Malaysia

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