Nomaden der Straße seit 365 Tagen

Vor genau einem Jahr haben wir uns ein letztes Mal verabschiedet und sind gegen 11Uhr aus Empfingen weggefahren. Mit einem sehr sonderbaren Gefühl, da wir nicht wirklich wussten, was auf uns zukommt, wie wir mit allem zurechtkommen, wie wir uns 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche verstehen, ob uns ein Leben als Nomaden gefällt, ob wir so lange wegbleiben können oder ob wir auf halbem Wege wieder umkehren. Auf einige dieser Fragen haben wir noch heute keine Antworten. Wir wissen nur, dass wir für uns die richtige Entscheidung getroffen haben, die beste übrigens, und wir genießen jeden Tag unserer Reise in vollen Zügen. Natürlich streiten wir uns ab und zu, aber auch nicht mehr als vorher, eher im Gegenteil, wir sind ein super Team, jeder hat seine täglichen ‘Hausaufgaben’ und wir ergänzen uns gegenseitig hervorragend. Aber das wussten wir ja schon bevor wir losgefahren sind. Momentan können wir es uns noch nicht so richtig vorstellen, uns an einem Ort niederzulassen. Noch sind wir frei – so frei wie wir es immer sein wollten!

Natürlich vermissen wir unsere Familien und Freunde und viele unserer Radeltage sind auch sehr anstrengend. Das Radreisen is nicht immer so einfach wie es sich manchmal liest oder anhört. Trotz allem war es bisher eine außergewöhnliche Reise, wir haben viele neue Freunde gewonnen, viel über uns fremde Kulturen gelernt, unsere kulinarischen Kenntnisse erweitert, sind manchmal an unsere Grenzen gekommen, haben wunderschöne Landschaften gesehen und haben für’s Leben gelernt. Und das Beste an allem ist, dass wir Dank der heutigen Technik und sozialen Medien mit allen Zuhausegebliebenen in Kontakt bleiben können und uns dann wieder fast wie zuhause fühlen.

Wir haben unten unsere bisherige Reise mit all ihren Höhen und Tiefen für euch zusammengefasst. Damit beantworten wir hoffentlich auch einige der vielen Fragen, die wir häufig gestellt bekommen.

Viel Spaß beim Lesen, unser erster Blog zu Malaysia kommt demnächst!

Gesamte geradelte Kilometer: Fast 16.000km

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Anzahl der bereisten Länder: 16

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Längste Distanz: 145km in Kambodscha und Laos

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Längster Tag im Sattel: 8:25 h von Niang Kiauw to Louang Prabang in Laos

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Höchster beradelter Berg: 2,100m in Nord-Vietnam

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Anzahl Platten: 13

Anzahl gebrochener Speichen: 3 pro Fahrrad, danach haben wir sie alle auswechseln lassen

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Anzahl sonstiger Pannen: KEINE! Wir lieben Smokey und Rudi, wirklich wahr! Beide sind Idworx Easy Rohlers und wir finden, dass Idworx die besten Fahrräder herstellt.

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Außergewöhnliche Erlebnisse: Gastfreundschaft in Indien und Malaysia. Viele Menschen laden uns einfach so in ihre Häuser ein und wir fühlen uns fast wie ein Familienmitglied.

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Ärgerlichste Erlebnisse: Keine Privatsphäre in Indien für ganze drei Monate. alles wurde immer und überall angefasst, selbst wir und wir konnten nirgends ein ruhiges Plätzchen für uns alleine finden; Hunde in Rumänien und Thailand; Busfahrer in allen Ländern.

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Beste Radelerlebnisse: Rückenwind entlang der Etsch in Italien, wodurch wir eine viel längere Strecke radeln konnten als ursprünglich geplant (dies ist insbesondere deswegen bemerkenswert, da wir eigentlich grundsätzlich nur gegen den Wind fahren); Radeln entlang des Mekongs in Kambodscha; Militärpolizeieskorte in Thailand.

Schlimmste Radelerlebnisse: Radeln im Dunkeln auf einer stark befahrenen Schnellstraße ohne Seitenstraße, dafür mit zahlreichen Schlaglöchern, mit Fahrzeugen, die ohne Licht fahren und starkem LKW-Verkehr.

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Unser Lieblings-Fahrradland: Hier können wir uns nicht festlegen, alle Länder waren auf ihre Weise landschaftlich schön, beeindruckend und faszinierend.

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Ungeliebte Fahrradländer: Rumänien (zu viel Schwerverkehr und die kleinen Nebenstraßen sind in sehr schlechtem Zustand, falls man die Trampelpfade überhaupt Straßen nennen kann); Indien (zu viel und zu chaotischer Verkehr).

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Lieblingsländer (bezieht sich nicht ausschließlich auf’s Fahrradfahren): Slowenien (Landschaft, Menschen), Italien (Landschaft, Menschen, Essen, Kultur, Architektur), Rumänien (Landschaft, Menschen, Kultur, Architektur), Türkei (Gastfreundschaft, Landschaft, Essen, Architektur), Vietnam (Landschaft, Menschen), Thailand (Menschen, Landschaft, Nebenstraßen, Strände, Essen), Malaysia (Landschaft, Gastfreundschaft, Menschen), Kambodscha (ruhige Straßen, Menschen, alte Tempel, Kultur, Mekong), Deutschland (Straßen und Radwege, Essen, Landschaften)

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Land, das uns nicht so gut gefallen hat (bezieht sich nicht ausschließlich auf’s Fahrradfahren): Indien (zu dreckig, zu viele Extreme, keine Privatsphäre, Spuckerei).

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Bestes Essen: Italien, Deutschland, Thailand, Türkei, Malaysia

Schlechtestes Essen: Indien (wir sind davon andauernd krank geworden); Laos (zu einseitig)

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Bestes Hotel/beste Pension: Eine kleine Bauernhofpension in Italien an der Grenze zu Slowenien; Hotel Malji Ka Kamra, Churu, Indien; 2N in Phetchaburi, Thailand; Pedal Inn in Georgetown, Malaysia

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Prima Warm Shower-Gastgeber: Sibylle in Hanoi, Pad in Thailand, David in Malaysia

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Bester Zeltplatz: Wüste in Indien

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Schlechtester Zeltplatz: Ein kleiner Wald in der Türkei, in dem die ganze Nacht gejagt wurde und der Weg dorthin aus klebriger Tonerde bestand.

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Andere klasse Radtouristen, die wir unterwegs getroffen haben, um nur einige zu nennen: Sharon und Tim aus England; Astrid und Gerd aus Österreich und Deutschland; Ludo aus Belgien; Annika und Roberto aus Deutschland und Mexiko (bisher haben wir sie nur virtuell auf Facebook getroffen, aber wir sind ihnen auf der Spur); Mirko und Katia aus Slowenien und der Tschechischen Republik, die seit 2000 mit dem Fahrrad unterwegs sind; Tony aus England, 71, der seit 35 Jahren um die Welt radelt; Asako und Alex aus Japan und den USA; Aaron aus Australien

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Höchstes Hoch: Nachdem wir 145km in glühender Hitze durch eine langweilige und abgebrannte und/oder abgeholzte Landschaft geradelt sind

Tiefste Tiefs: Als Bärbel in Indien von einem betrunkenen Idioten geschlagen wurde und als Johan erfuhr, dass sein Meniskus gerissen ist

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Was wir gelernt haben: Radfahrer sind immer hungrig und die Portionen in Asien sind viel zu klein; Wasser immer rechtzeitig nachfüllen und nicht darauf hoffen, dass später schon auch noch die Möglichkeit kommt; Radeln in strömendem Regen macht keinen Spaß, auch nicht in Asien, wo die Temperaturen selten unter 20 Grad C sinken; niemals beim Kauf von Fahrradhosen Geld sparen, NIE; niemals im Dunkeln auf unbekannten Straßen ohne Seitenstreifen fahren; vom Fahrradfahren bekommt man keinen Bikinihintern und auch keinen Badehosenhintern

Traurigster Moment: Abschied in Empfingen

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Glücklichster Moment: Nach einer längeren Pause wieder auf dem Fahrrad zu sitzen

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Größte Überraschung: Man gewöhnt sich an fast alles, sogar daran, nicht ständig online zu sein

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Außergewöhnliche Landschaften: Schwäbische Alb in Deutschland; Österreichische Alpen; Karpaten in Rumänien; Slowenien; Mekong in Kambodscha; Vietnam: Dong Van Karst Plateau, Hoang Lien Son Gebirge bei Sapa, Pu Luong Kalksteinlandschaft; Route zwischen Louang Prabang und Vientiane in Laos; Thailand: Yao Khai Nationalpark; Süd-Thailand

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Härtestes Radfahren: Dong Van Karst Plateau in Vietnam; 145km Radeln in glühender Hitze und ohne Schatten in Kambodscha

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Geplante Route für die kommenden Monate: Malaysia, Singapur, Indonesien, Australien, Neuseeland

Voraussichtliche Rückkehr: Frühjahr 2014

5 thoughts on “Nomaden der Straße seit 365 Tagen

  1. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!! Bei uns ist es auch bald so weit. Ich wünsche Euch immer genug Luft im Reifen, mehr Rückenwind und einen gemütlichen Sattel. Vielen Dank auch fürs verlinken🙂
    Liebste Grüße aus dem Norden (nun sind wir euch auf der Spur und nicht anders herum hehe),
    Annika

  2. Sensationell! Very good and interesting summary – look forward to seeing you in Australia! If you don’t come by my house, I’ll visit you – Have a great and safe trip!

  3. Hallo ihr 2,
    ein schönes Resümee von Euch.
    Am Anfang war es für mich so unvorstellbar und abgefahren was ihr da macht. Man konnte es kaum abwarten wann der nächste Blogeintrag erscheint oder wann man denn wieder via Skype telefonieren kann.
    Inzwischen ist es doch schon ein Stück Normalität geworden Euch auf dem Rad anstatt im Büro zu sehen!
    Ich verfolge und lese immernoch -klar- den Blog – aber es ist schon möglich, dass 2 oder 3 Berichte zusammenkommen. Vor allem in Zeiten hoher Produktivität von Eurer Seite. (Kann man ja zur Zeit nicht behaupten ;-))
    Somit gewöhnt man sich an alles! Was ja so schlecht auch nicht ist.
    Macht’s gut und bis bald!!

    Alex

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