Hey you – farang, farang!

14. – 19. August 2013 – Wir haben genau sechs Tage bis zur malaysischen Grenze gebraucht und sind sogar einen Tag vor Ablauf unserer Visa dort angekommen. Trotz starkem Muskelkater während der ersten Tage – drei sportlose Wochen sind an uns leider nicht spurlos vorbeigegangen – waren diese sechs Tage absolut super. Ich glaube sogar, dass die Route, die wir uns ausgesucht haben, die schönste in Thailand war und wir haben jede Minute genossen. Anfangs sind wir lange an der Küste entlang gefahren und konnten auf kleinen, fast verkehrslosen Straßen fahren. Uns wurde auch schnell klar, dass sich hierher wenige Touristen verirren, da wir pausenlos von überall um uns herum gegrüßt wurden. Autos und Motorräder fuhren langsam neben uns her, um ein Foto von uns zu machen und alle Paar Minuten hörten wir von irgendwoher ‘Hey you!’, ’Hello’, ‘Farang, Farang!’ (farang bedeutet Ausländer auf Thai). Manchmal hörten wir auch nur eine Ziege oder eine Kuh und mussten schmunzeln, da wir  deren Meckern oder Muhen für einen Willkommensgruß gehalten und selbstverständlich höflich zurückgegrüßt haben.

Uns hat dieser Teil von Thailand auch so gut gefallen, weil die Gegend sehr ländlich ist. Viele kleine landwirtschaftliche Betriebe bauen Reis an und bewirtschaften Kautschuk- und Palmölplantagen, um verwitterte Holzhäuser sind bunte Gemüsegärten angelegt und tausenden Kokospalmen säumen Straßen und Horizont. Immer wieder dazwischen radeln wir durch dichten und vor allem schattigen Wald. Je weiter wir uns der malaysischen Grenze näherten, desto ‘dschungeliger’ wurde die Landschaft. Zwischen den Tempeln tauchten immer mehr Moscheen auf, später wurde uns gesagt, dass die meisten Fischer Moslems sind. Für uns fühlt sich das immer wieder sehr exotisch an, wenn wir den Imam mehrmals am Tag beten hören, immerhin haben wir das seit November in der Türkei nicht mehr gehört.

Leaving Koh Samui

Auszug aus Koh Samui

I'm cycling....

Radeln, radeln…

Sunset at the sea

Sonnenuntergang am Meer

Street kitchen

Eine Küche am Straßenrand

Cycling through a natural reserve and in between two lakes

Radeln in einem Nationalpark und zwischen zwei Seen hindurch

Same, same...but this time resting.

Wie oben, aber dieses Mal pausierend.

He's cycling...

Er radelt auch…

At the same beautiful lake but further south now.

Derselbe schöne See, nur weiter südlich.

More of the beautiful lake

Noch mehr schöner See.

Johan hasn't had too many beer, he is just enjoying himself on the bike ;-)

Nein, Johan hat nicht zuviel Bier getrunken, er freut sich nur so, dass er wieder radelt😉

Jummy lunch

Leckeres Mittagessen…

...followed by the mandatory table nappy.

…und das übliche Mittagsschläfchen danach.

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At one of the pink hotels where you can rent rooms for a few hours only...

Eines der vielen Stundenhotels in pink…

...and have mirrors at the ceiling.

…das sogar Spiegel an der Decke hat.

Our last day in Thailand

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Getting very close to the border!

Gleich sind wir an der Grenze!

The Taliban are everywhere, even in Thailand!

Die Taliban sind überall, sogar in Thailand!

Final climb before the border

Der letzte Anstieg vor der Grenze

The cute little border in the middle of the jungle

Der kleine, gemütliche Grenzübergang mitten im Dschungel.

Auf unserem Weg haben wir bei Amazon auch immer wieder leckeren Cappuccino getrunken und Kuchen gegessen, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Buchversand! Denn man weiß ja nie genau wie der Kaffee im nächsten Land so schmeckt, dann mal besser rechtzeitig auftanken.

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Was uns nicht wirklich gefallen hat, waren unsere täglichen Pannen ab dem dritten Tag. Es begann mit Johans Fahrrad und einer gebrochenen Speiche am Hinterrad, danach kam am nächsten Tag eine weitere gebrochene Speiche am selben Fahrrad, wieder am Hinterrad. Und am dritten Tag wieder eine gebrochene Speiche und wieder Johans Fahrrad. Am vierten Tag brach dann eine Speiche am Hinterrad meines Fahrrads. Und das ungefähr eine halbe Stunde nachdem wir im ersten Fahrradladen, den wir gefunden haben 30 neue Speichen gekauft haben. Am fünften Tag brach dann eine weitere Speiche an meinem Rad und am sechsten Tag hatte Johan dann mal wieder einen Platten. Und als ob das noch nicht genug wäre hat auch unser Benzinkocher den Geist aufgegeben und Johan hat zwei Tage gebraucht, um ihn zu reparieren. Ach so, nicht zu vergessen, dass bei Johans neuer Kamera der Autofokus nicht mehr funktioniert. Wir sind genervt! Aber zum Glück reise ich mit Johan, dem Handwerker, der so fast alles wieder ganz bekommt.

Johan the Fixer

Johan, der Handwerker

Eine Nacht haben wir bei Pad von ‘Warmshowers’ übernachtet. Er wohnt mit seiner Frau, einem Hund und einer Katze in einem kleinen Holzhaus mitten im Wald. Wir haben fast zwei Stunden gebraucht um ihn zu finden, da er telefonisch nicht erreichbar war und hätten sogar beinahe aufgegeben. Wieder einmal wäre ein Navi sehr hilfreich gewesen. Aber gut, dass wir ihn dann doch noch gefunden haben, wir hatten einen schönen gemütlichen und entspannten Abend bei leckerem Thaiessen und sind am nächsten Morgen ausgeruht und satt weitergefahren. Vielen Dank Pad, wir hoffen, dich nächstes Jahr in Europa zu treffen!

Coffee time

Kaffeezeit

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Da dies unser letzter Blog über Thailand ist, ist es auch an der Zeit ein bisschen über die Merkwürdigkeiten des Landes zu schreiben. Aber zuerst die Lobeshymne: wir haben unsere zwei Monate in Thailand sehr genossen, wenn unser Visum nicht abgelaufen wäre, wären wir wahrscheinlich noch länger geblieben. Obwohl wir den Norden Thailands nicht gesehen haben, sind wir durch faszinierende Landschaften gefahren, haben tolle, immer lächelnde, hilfsbereite und uns willkommen heißende Menschen getroffen. Wir haben natürlich super lecker gegessen und konnten kaum genug von Pad Thai, dem Nationalessen, bekommen. Wir sind fast 2.700km in Thailand geradelt, manchmal auf sehr befahrenen Straßen, oft auf sehr kleinen und ruhigen Nebenstraßen, haben uns hunderte Male verfahren, aber was soll’s. Noch öfters hat uns die Art und Weise wie Thais den weg erklären total verwirrt, aber nochmals, was soll’s, wir haben ja alle Zeit der Welt.

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15,000km!

15.000km!

Aber nun zu den Merkwürdigkeiten Thailands, die nicht immer allzu ernst zu nehmen sind… Beginnen möchte ich mit den nervigen Hunden. Seit Rumänien haben wir nicht mehr so viele blöde Hunde gesehen, in Thailand haben sie uns bis zum letzten Kilometer fast in den Wahnsinn getrieben und Johan hat wieder Steine mit sich rumgeschleppt. Am Schlimmsten waren die Hunde, die plötzlich in freier Landschaft aus einem Gebüsch sprangen, während wir träumenderweise die Landschaft bewunderten. Dazu kommt, dass Thais ihre Hunde lieben und sehr stolz auf sie sind und die meisten waren nicht wirklich begeistert von unseren Selbstverteidigungsmaßnahmen (ich habe in der Regel geschrien und Johan hat Steine geschmissen). Immerhin hat ein Hund in meine Fahrradtasche gebissen und ein anderer hatte beinahe meinen Fuß in seinem Maul, den warmen Atem habe ich schon gespürt.

Auch bemerkenswert waren all die Menschen mit Puder und Creme im Gesicht und auf dem Körper, die die Haut weißer machen. Männer und Frauen aller Altersklassen benutzen diese ‘Weißmacher’. Das wäre ja nicht weiter nennenswert, aber das Zeug ist so ungleichmäßig über den Körper verteilt, dass die Menschen aussehen, als wären sie in einen Eimer Mehl gefallen. Kinder bekommen das Pulver oder die Cremes auch verpasst, wir hoffen nur, dass das lediglich Sonnenschutz ist und nicht Weißmacher. Es ist im Übrigen auch fast unmöglich Cremes, Bodylotions oder Deos ohne Weißmacher zu kaufen. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass das gesund ist.  Übrigens konnten wir diese ‘Weißmachprozeduren’ in ganz Südostasien beobachten. Asiaten möchten einfach gerne weiß sein und tun dafür was sie können.

Und nun zu den Verkehrsregeln. Ich glaube ja nicht, dass es die hier gibt und was ich unten beschreibe, gilt im übrigen für alle asiatischen Länder, die wir bisher bereist haben.

Regel Nummer 1: Je langsamer, desto weniger Rechte. Es sei denn, du bist ein Fußgänger. Dann kannst du nämlich gehen und stehen wo immer du möchtest. Du schaust nie nach links oder rechts oder nach hinten, sondern gehst einfach, alle anderen werden schon um dich herum fahren. Und da ich ja nach Gehör gehe, bemerke ich auch nicht, dass ein Fahrrad ankommt, Fahrradklingeln überhöre ich sowieso. Wir machen in der Zwischenzeit immer einen großen Bogen um Fußgänger. Das ist zumindest für uns deutlich sicherer.

Regel Nummer 2: Auf einem Moped oder Motorrad machst du auch was du willst. Auf keinen Fall rechts schauen, wenn du an einer Kreuzung links abbiegst oder umgekehrt, wird schon keiner kommen und wenn doch, kannst du ja immer noch in der Mitte der Straße halten und blöd kucken oder lachen. Motorräder und Mopeds haben meist zwei Spiegel, die aber nicht benutzt werden, um den Verkehr zu beobachten, sondern um das Makeup nachzulegen oder zu überprüfen, ob die Frisur noch sitzt.

Regel Nummer 3: Autos, aber eigentlich gibt es in Thailand nur Pickups und SUVs, können weder bremsen noch blinken. Ich bin sogar davon überzeugt, dass Autos nicht automatisch mit Bremsen und Blinker ausgestattet werden. Wahrscheinlich gehören sie zu den Extras, die teuer dazugekauft werden müssen und diese Kosten kann man sich ja locker sparen. Da investiere ich doch lieber in ein paar PS mehr.

Regel Nummer 4: LKWs. Ja, was kann ich hierzu schreiben außer, dass sie stinken und dass in diesem Teil der Welt noch niemand etwas von Rußfiltern gehört hat. Wenn ein LKW überholt, sehen wir zunächst nur noch schwarz und sind danach mehr oder weniger selber schwarz. Und selbstverständlich haben auch LKWs immer Vorfahrt und parken mit Vorliebe auf Seitenstreifen und Fahrradwegen. Aber zumindest haben sie immer einen weiten Bogen um uns gemacht, damit wir genug Platz haben.

Regel Nummer 4: Als Busfahrer bist du der König der Straße und immer zu spät dran, daher gilt alles oben Geschriebene selbstverständlich auch für Busfahrer. Außerdem scheint es ein beliebter Sport zu sein, Fahrradfahrer zu schneiden indem sie überholt werden wie wild und nur fünf Meter weiter wird dann voll auf die Bremsen gestiegen, um mehr Passagiere aufzunehmen – Radler mit einer Thai-Flagge in der Größe eines Fußballfeldes sind da klar im Vorteil. Und wenn du Glück hast, passiert das in einer Stadt alle paar Hundert Meter!

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass jeder macht was er will, irgendwer wird schon aufpassen. Meist sind das die wenigen Radler!

Vielen Dank Thailand, uns hat’s trotzdem gefallen und wir kommen bestimmt eines Tages wieder zurück.

Geradelte Kilometer:
14. August, Koh Samui – Khanom, 54km
15. August, Khanom – Nakhon S.T., 122km
16. August, Nakhon S.T. – Hua Sai, 82km
17. August, Hua Sai – Phattalung, 85km
18. August, Phattalung – Khuan Ru, 78km
19. August, Khuan Ru – Perlis State Park (MY), 81km

Gesamte Distanz: 15.245km von denen wir  2.657km in Thailand geradelt sind.

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